„Europäischer Salon“ 22. Juni 2023, 18:30 Uhr
Ort: buchhandlung + antiquariat, Stresemannstraße 28, 10963 Berlin


Was Europa kann. Die Vision des Erasmus von Rotterdam (1538-1600)

In unserem „Europäischen Salon“ haben wir mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Josip Juratovic, Vorsitzender Gesprächskreis Südosteuropa, der Historikerin Dr. Susanne Drake und Faik Ispahiu, Gründer und Direktor der Organisationen Internews und KALLXO im Kosovo, im Rahmen unseres Projektes “Transformation der Erinnerung – Transformation der Aufarbeitung” nach der Politik der Verleugnung und Vergangenheitsaufarbeitung im Westbalkan gefragt.

Moderiert wird der Abend von Johanna Liebe.

Können, sollen, ja müssen wir nicht die Westbalkanstaaten auf ihrem Weg in die Europäische Union stärker unterstützen und damit das Ziel einer EU-Vollmitgliedschaft von Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien bekräftigen und ihnen endlich Perspektiven zur Beschleunigung des Beitrittsprozesses aufzeigen? Durch die zögerliche Haltung der EU haben nationalistische Akteure, angefeuert von Akteuren, die nur zu gerne einen Keil zwischen die Mitglieder der EU und den Rest Europas treiben wollen, vor Ort profitiert, und sich staatliche Strukturen und Ressourcen zu eigen gemacht und so demokratische und rechtsstaatliche Fortschritte unterminiert.

Angesichts des breiten Widerstands aus Politik und Gesellschaft gegen „unerwünschte Erinnerungen“: Hat eine Gedenkpolitik, die den Erinnerungen der Opfer des Bosnienkrieges und Kosovokonfliktes gerecht wird und die Verantwortung für Gräueltaten benennt, überhaupt eine Chance?

Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Beginn der Jugoslawienkriege und einer Politik der Verleugnung, dem Umgang mit der Vergangenheit und der Erinnerungskultur im Westbalkan wollen wir auf die aktuelle Situation in den postjugoslawischen Ländern schauen und sehen, wie die Kriegsvergangenheit die Gegenwart immer noch beeinflusst.

Deshalb stehen für jetzt drei Grundsätze im Mittelpunkt: Demokratie statt Stabilokratie, Entgegenkommen und Konditionalität im Beitrittsprozess und die Förderung regionaler Kooperationen. Der Berliner Prozess mit Bundeskanzler Olaf Scholz hat letztes Jahr eine neue Dynamik in die Region gebracht. Diese Chance müssen wir nutzen um unserer Verantwortung den Menschen gegenüber vor Ort, die den europäischen Traum eines Lebens in Frieden, Sicherheit und Wohlstand hegen, gerecht zu werden. Es ist auch in unserem ureigenen Interesse als Europäer*innen, den Westbalkan nicht länger im Spannungsfeld geopolitischer Auseinandersetzungen hängen zu lassen, sondern fest in unserer Mitte zu integrieren.

Wir wollen uns mit der gemeinsamen Vergangenheit und Gegenwart auseinanderzusetzen und einen Beitrag zum Verständnis der Gegenwart leisten. Die Vergangenheit ist jetzt!

Sie sind herzlich eingeladen mit uns zu diskutieren.

Bilder: Fotograf Hans-Christian Plambeck | hcplambeck.de

Europäischer Salon mit:

Lucia Felici

Josip Juratovic ist kroatischer Abstammung. 1974 folgte er seiner Mutter nach Deutschland und beendete 1976 die Hauptschule in Gundelsheim und besuchte anschließend bis 1977 die Berufsfachschule Metall. Danach absolvierte er bis 1979 eine Lehre zum Automechaniker.

Von 1981 bis 1983 war Juratovic als Kfz-Mechaniker beschäftigt. Von 1983 bis 2005 arbeitete er bei der Audi AG zuerst als Fließbandarbeiter, später als Produktprüfer und seit 2000 als freigestellter Betriebsrat. Josip Juratovic nahm 1998 die deutsche Staatsbürgerschaft an.

Seit 1990 wirkt er aktiv am Aufbau von Gewerkschaften in Südosteuropa mit, und seit 1994 fungiert er als Koordinator der bundesweiten Friedensinitiative der ehemaligen Jugoslawen: Novi Most – Neue Brücke.

Seit 2005 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages. Er ist ordentliches Mitglied in den Ausschuss für Europäische Angelegenheiten und stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales. Juratovic ist Vorsitzender der Parlamentariergruppe „Südosteuropa“.

Lucia Felici

Dr. Susanne Drake, Historikerin, arbeitet seit den 1990er Jahren in engem Kontakt mit der Zivilgesellschaft des Westbalkans.

Während des Krieges war sie mit der Initiative für Frieden, internationalen Ausgleich und Sicherheit (IFIAS), die noch auf eine Initiative Willi Brandts zurückging, in engem Kontakt mit demokratischen Oppositionsgruppen und Gewerkschaften gegen Milosevic und reiste sehr häufig in die unterschiedlichen Regionen des zerfallenden Jugoslawiens um diese mit Spenden zu unterstützen.

Später half sie Geflüchteten aus Bosnien in Deutschland, eine Verlängerung ihres Bleiberechts zu erwirken und, wenn dies unerreichbar war, eine Lebensperspektive in Bosnien nach vielen Jahren in Deutschland zu schaffen. Mit Internews baute sie mit lokalen Journalist*innen und internationalen Unterstützer*innen das Medienzentrum Priština auf, welches allen Akteur*innen des umstrittenen Gebiets erstmals eine öffentliche Stimme gab..

Im Rahmen ihrer Vorstandsarbeit für Solidar unterstützt sie heute die Bildung einer Kontaktgruppe Westbalkan mit dem Ziel, in Brüssel wieder Verständnis und Unterstützung für die Gesellschaften am südöstlichen Rand der EU zu wecken.

Lucia Felici

Faik Ispahiu ist Gründer und Direktor der Organisationen Internews und KALLXO im Kosovo. Seit 23 Jahren arbeitet er für freie Meinungsäußerung und freie Medien für alle Gruppen und alle Regionen. Er verfolgt zusammen seinem Team Korruption auf allen Ebenen der Politik und ist oft als Zeuge für Prozesse gegen Nepotismus und Vorteilsnahme geladen.

Lucia Felici

Johanna Liebe studiert im Master Internationale Beziehungen an der Freien Universität Berlin, Humboldt-Universität Berlin und Universität Potsdam. Derzeit ist sie Mitglied im Bundesvorstand der Juso-Hochschulgruppen und ist dort unter anderem für den Themenbereich Internationales zuständig.


Eine Veranstaltung der Willi-Eichler-Akademie e.V.

europa impulse Projekt von Willi-Eichler-Akademie e. V.
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